Die Mistel – Eine schamanische Heilpflanze
Die Mistel hat mich auf meinem Pfad als schamanische Naturheiltherapeutin besonders geprägt. Während meiner intensiven Lehrzeit war es gerade diese Pflanze, die mir sieben Jahre lang als schamanische Diät zur Seite stand. Mein Lehrer Juan Epipayu aus dem Amazonasgebiet, der damals vor über 40 Jahren Österreich besuchte, führte mich an die Mistel heran. Er suchte eine Pflanze, deren Schwingung der Banisteriopsis Caapi ähnlich ist – eine Liane, die als Mutter aller Pflanzen verehrt wird.
In Ritualen, in denen mein Lehrer die Geister befragte, wurde er zur Mistel geführt. In Europa fand er somit die Entsprechung zur südamerikanischen Heilpflanze. Ihre Fähigkeit, in Symbiose mit anderen Pflanzen zu leben, macht sie hier zu einem wertvollen Mitglied der Pflanzengemeinschaft.
Entgegen der verbreiteten Meinung sind Misteln keine Schädlinge. Sie töten ihre Wirtsbäume nicht, sondern leben in einer Art Gemeinschaft mit ihnen. Ihre bemerkenswerte Intelligenz macht die Mistel zu einer der fortgeschrittensten Pflanzen unseres Kontinents, sowohl heute als auch in alten Zeiten. Die zahlreichen Mythen und Legenden rund um die Mistelzweige fußen auf diesem uralten Wissen und den Wegen der Kraft.
Die Mistel wächst hoch in den Bäumen, nah am Himmel und den kosmischen Kräften. Für Frauen empfiehlt sich die Mistel von Apfelbäumen, für Männer die von Eichen. Diese Zuordnung bezieht sich auf physische ebenso wie psychische Beschwerden. Der Mistelgeist lehrt uns, in die Kraft der Weiblichkeit und Männlichkeit zu wachsen.
In der schamanischen Naturheiltherapie wird die Mistel in verschiedenen Formen verwendet. Neben der physischen Einnahme ist vor allem die Kommunikation mit der Seele der Pflanze zentral. Hierbei wird der energetischen und spirituellen Ebene die gleiche Bedeutung beigemessen wie der körperlichen.
Als Heilpflanze bewirkt die Mistel eine Tiefenreinigung. Sie entfernt Toxine aus Nahrung, Umwelt und Luft und neutralisiert negative Emotionen. Darüber hinaus absorbiert sie bis zu einem gewissen Grad schädliche Strahlungen, was ihr den Beinamen „Strahlenauffangpflanze“ einbringt.
Die Mistel, als Mutter der Pflanzen, mit ihrem fürsorglichen und liebevollen Wesen, wählt Bäume und Orte, die ihre Unterstützung benötigen. Im schamanischen Verständnis würde ihre Abwesenheit Krankheiten in den Bäumen begünstigen.
Meine persönlichen Erfahrungen mit der Mistel waren ebenso transformierend. Wenn ich während meiner Lehrzeit mit meinem Lehrer in den Bergen barfuß und fastend unterwegs war, empfahl er mir, bei körperlichen Schwächen ein kleines Stück Mistel zu kauen. Die Wirkung war jedes Mal unmittelbar spürbar. Vor der Entnahme wird ein Ritual durchgeführt, bei dem der Baum und die Mistel um Erlaubnis gefragt werden, ein Stück für die Heilarbeit zu nutzen.
Die Anwendung der Mistel sollte stets unter Anleitung erfahrener Therapeuten stattfinden. Sie kann bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen, darunter Gebärmutterprobleme, Stoffwechselerkrankungen, Rheuma und mehr.
Auf seelischer Ebene zentriert die Mistel unsere Energie und führt uns zu Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. In der Krebstherapie wird sie hochdosiert verwendet, um zu erkennen, was uns Energie raubt und um negative Gedankenmuster zu transformieren.
Die Eichenmistel ist besonders bei der Harmonisierung männlicher und weiblicher Energien wirksam und fördert Frieden in unseren Beziehungen.
Um mit der Mistel in der Pflanzendisziplin zu arbeiten, beginnt alles mit einer Absicht und der Verbindung zur Natur. Die Mistel lädt uns ein, sie um ihre Unterstützung zu bitten und dankbar für ihre Präsenz und ihr Wirken in unserem Leben zu sein.
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© Sonia Emilia Rainbow, Austria