Das gnadenlose Geschäft mit Ayahuasca
Dieser Artikel wird polarisieren. Das weiß ich.
Dennoch erachte ich es als wichtig, als Älteste und Weisheitshüterin dieser Zeit, als Tochter von Mutter Erde, Schwester der Mondin, Hüterin der weiblichen Kraft und der Pflanzen, Weggefährtin von „madre Ayahuasca“ meine Stimme zu erheben.
Ich schreibe hier nicht über die wunderbare, einzigartige spirituelle Intelligenz und all die Möglichkeiten von Ayahuasca, sondern mein Blick richtet sich kritisch auf den Markt, und weist auf Gefahren hin. Darüber wird nämlich kaum berichtet.
Seit über 35 Jahren kenne ich Ayahuasca. Es ist die Pflanze der Schamanen im Amazonasgebiet. Viel Zeit verbrachte ich dort, tausende Male trank ich selbst die Medizin.
In meiner traditionellen Ausbildung als schamanische Heilerin und Lehrerin über 16 Jahre hinweg, lernte ich nicht nur den Geist, den Spirit, die Seele dieser Pflanzenmedizin kennen, sondern sie war ein Teil meines Weges. Sie prägte meine Entwicklung, meine Erfahrungen. Ich bin ihr zutiefst verbunden.
Die Suche nach Heilung und dem Sinn des Lebens
Die Menschen in der heutigen Zeit sind konfrontiert mit vielen Veränderungen und Herausforderungen.
Gleichzeitig gibt es eine kollektive Bewusst-Seins-Veränderung. Immer mehr erkennen, dass es mehr gibt als das Weltbild, das uns mitgegeben wurde und uns geprägt hat.
Wir beginnen das Universum, den Kosmos, unsere spirituelle Seele zu sehen und zu fühlen. Warum bin ich hier auf dieser Erde? Was ist der Sinn, der Zweck? Habe ich eine bestimmte Aufgabe hier auf Erden zu erfüllen und wenn ja, welche?
Dazu sind viele unglücklich oder unzufrieden und wollen wissen, ob sie nicht einen Weg hätten, der erfüllender ist, der Sinn macht?
Manche wollen jedoch auch tiefer forschen in ihrem SEIN. Verstehen, mitwirken und mitweben an dem, was nun geschieht, einem neuen Bewusst-Sein, einer neuen Gesellschaft auf dieser Erde.
Der zivilisierte Mensch sehnt sich nach Magie und Zauber, nach dem „Hinter und Zwischen“ den Dingen, nach tiefen Gefühlen des Glücks und der Zufriedenheit, nach der Gewissheit eine Bestimmung, eine Mission, eine Aufgabe zu haben, nach Etwas ganz Besonderem in und hinter dem einzelnen Leben und dem Weltgeschehen. Nach Verbundenheit und Angebundenheit zur Natur, zum Kosmos und zu den göttlichen Kräften.
Die Einnahme einer Schamanenpflanze mit einer psychoaktiven Substanz, in der Visionen versprochen werden, schnelle Heilung propagiert wird, spirituelle Führung aus anderen Welten gesucht, Erlösung von Problemen in ein paar Stunden erhofft, mag manchen sehr verlockend erscheinen, denn das Angebot steigt bekannterweise mit der Nachfrage.
Und der Hype nach Ayahuasca hier in Europa ist in stetigem Wachstum.
Es ist ein inneres Abenteuer mit Erfolgsgarantie, erfahre ich in den Social Medias.
Jedoch hat das, was hier in Europa stattfindet, absolut nichts mit der ursprünglichen schamanischen Arbeit mit der Pflanze zu tun. Im Allgemeinen wage ich zu behaupten, dass die Szene mehr als fragwürdig und bedenklich geworden ist.
Gut möglich, dass vielen nicht wirklich bewusst ist, dass der Umgang und das Verkaufen der Pflanze hier in Europa ein Konsumieren, Benutzen, Gebrauchen und Missbrauchen sind.
Schamanenpflanze aus dem Amazonas
Ayahuasca ist eine sehr mächtige und kraftvolle Medizinpflanze. Seit Jahrhunderten wird sie von den Schamanen im Amazonas verwendet. Das Getränk besteht in der Regel aus zwei Pflanzen, manchmal mehr. Aufgrund ihrer magischen Kraft und unter anderem auch aufgrund ihrer stark psychoaktiven Wirkung, benötigt diese Erfahrung jedoch absolute psychische und physische Stabilität.
Wichtig ist auch zu wissen, dass im Amazonas, bei den einheimischen Völkern, tatsächlich nur die Schamanen Ayahuasca trinken. Nicht die Patienten, die Hilfesuchende. Der Schamane hat die Pflanze über Jahre hinweg als Verbündete gewonnen und er überträgt ihre heilende Wirkung und die von den spirituellen Welten über seinen Gesang, seine Hände, sein Pfeifen auf den Patienten.
Das mag für den westlichen Menschen nicht einfach vorzustellen sein, aber meine Erfahrung ist, dass wir hier sowieso begrenzt mit unserem Denken sind.
Bei all den Heilzeremonien mit Einheimischen, an denen ich teilgenommen hatte, sah ich kaum einen Nativen selbst Ayahuasca trinken, insofern er/sie nicht auf dem Weg zum Heiler*In war oder es sonst eine sehr spezielle Voraussetzung gegeben hat, warum die Pflanze innerlich eingenommen werden sollte.
Es sind die Weißen und Mestizen, die den Tee trinken wollen.
Manchmal um jeden Preis.
Traditionelle Zeremonien und Vorbereitung
Für eine Ayahuasca-Zeremonie braucht es eine gute und fundierte Vorbereitung. Diese kann für jemand, der keine Erfahrung mit diesen Welten hat, niemals an einem Wochenende oder in ein paar Tagen gemacht werden.
Bei den indianischen Völkern selbst bedeutet der Umgang mit Ayahuasca ein langer Weg des schamanischen Lernens, Lernen der Lieder und Sprache der Pflanzen.
Schamanische Diäten dauern manchmal jahrelang, es werden nur bestimmte Lebensmittel gegessen, kein Alkohol, keine bewusstseinsverändernden Substanzen, keine Sexualität.
Ein ganzes Jahr musste ich mich vorbereiten, bevor ich vor über 35 Jahren das erste Mal Ayahuasca einnehmen durfte. Da galt es eine bestimmte Ernährung einzuhalten und noch vieles mehr. Manchen Lehren und Prüfungen wurde ich unterzogen, um zu sehen, ob ich denn in der Tat die Kraft und die Reife haben würde, dem Geist dieser Pflanze zu begegnen, um von ihr zu lernen. Und diese Vorbereitung galt nicht nur für mich unwissende „gringa“, sondern für alle, die die „madre“, wie Ayahuasca liebevoll im Amazonas genannt wird, kennenlernen möchten.
Einnahme in Europa
Die meisten, die Zeremonien mit Ayahuasca in Deutschland, Schweiz, Österreich und auch anderswo anbieten, kennen nicht mal eine schamanische Diät, die ein wichtiger Bestandteil der Arbeit mit Ayahuasca ist, geschweige denn die Vorbereitung.
So las ich die letzten Tage, wiederum in Facebook bei einer Organisation, die europaweit Zeremonien anbieten, dass keine spezielle Vorbereitung notwendig wäre.
Auch dann, nicht wenn Teilnehmer das Getränk mit nach Hause nehmen und es allein einnehmen. Eine derartige Verantwortungslosigkeit ist kaum zu übertreffen und ist in meinen Augen eine grobe Fahrlässigkeit.
Die meisten wissen zwar ansatzweise über traditionelles „Setting“, aber kaum jemand hat sich in der Tat einer schamanischen Diät/Lehrzeit hingegeben. Und das gilt übrigens nicht nur für die Weißen, sondern auch für die Indigenen.
Immer noch bekommen hierzulande Menschen, die indigener Abstammung sind, automatisch einen riesengroßen Vertrauensvorschuss was die schamanische Arbeit anbelangt. Dennoch ist es so, dass gerade von der jüngeren Generation kaum jemand dabei sein wird, der auch tatsächlich in eine schamanische Diät Lehrzeit ging, die traditionellerweise Jahre umfasst, nicht einige wenige Wochen oder Monate.
Von den Westlern wiederum sind es eher Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen, die denken, sie bräuchten ein tieferes Studium der Pflanzen nicht, denn ihre westliche Ausbildung gibt ihnen den Bonus schon weiter zu sein.
KEINE Therapeutenpflanze – EINE schamanische Kraft
Ayahuasca ist keine Medizin für eine sogenannte psychoanalytische Therapie, auch kein Allheilmittel für unheilbare Krankheiten oder psychischen Problemen, sondern eine SCHAMANISCHE Kraft.
Diese erfordert so viel mehr als eine westliche therapeutische, medizinische oder spirituelle Ausbildung, sie erfordert mehr als ein paarmal Ayahuasca zu trinken, sie erfordert mehr als schöne Lieder singen zu können und sie erfordert auch mehr als ein paar Mal in den Amazonas zu reisen und dort an Zeremonien teilzunehmen, die den Touristen angeboten wird.
Ich erachte es als einen großen Hochmut von Menschen, die diese Rituale anbieten, und auch von manch Menschen, die diese zu sich nehmen, zu denken, sie brauchen all das traditionelle langjährige Studium im Umgang mit dieser Pflanze nicht.
Sie kennen die Sprache der Pflanzen nicht, nicht die Gebete, webende Worte und die alten Lieder, die die Kraft der Pflanze öffnen, um die Energien und Kräfte, die Räume und Felder zu organisieren, strukturieren. Die Schritte, die Wege, die Ebenen, um solche Erfahrungen zu leiten, denn dafür müsste man mindestens zwölf Jahre lernen, sieben Jahre diätieren und noch vieles mehr.
Was für eine Ignoranz zu denken, man braucht die „veralteten Wege“ nicht mehr, da man das eigene Bewusstsein und die eigene schamanische Kraft so „hoch“ einschätzt.
Schöne und gute Worte zu schreiben und zu sagen, um Ayahuasca gut zu verkaufen, werden jedoch letztendlich nicht über die Laienhaftigkeit hinwegtäuschen können.
Nicht für JEDEN
Jedoch ist Ayahuasca, entgegen der in Europa vorherrschender Meinung und Werbung, bei weitem nicht für jedermann und jederfrau.
Die Pflanze war und ist ein Teil des Weges für die Amazonasschamanen, um mit den Geistern in Kontakt zu gehen. Unter anderem auch um den Energiekörper zu sehen, sowie das Innere des materiellen Körpers und der Zellen.
Es erfordert eine große innere Stabilität, um diesen Weg zu gehen. Man kann kein Ayahuasca einnehmen, um eine körperliche, emotionale oder mentale Stabilität zu erhalten. Diese muss vorerst gegeben sein.
Ayahuasca und Psychosen
Ich zitiere aus einer Werbung für Ayahuasca–Retreats in Österreich und Deutschland:
„Ayahuasca ruft keine Psychosen hervor“
WAS für eine fatale AUSSAGE!
Sehr wohl löst Ayahuasca Psychosen aus.
Und zwar im Besonderen, wenn eine Veranlagung für Depression, Schizophrenie, bipolare Störung oder andere emotional starke Reaktionen in einem Menschen vorhanden sind.
Und wenn ich mich so umschaue, dann stelle ich fest, dass sicher an die 95% der Menschen in ihrem Kindheits–Ich feststecken. Das bedeutet, wir haben als Kind emotionale Antworten entwickelt, um überleben zu können und diese Muster sind im Erwachsenenleben immer noch aktiv. Ayahuasca kann nun als ein Trigger wirken, das was im Inneren wirkt zu verstärken. Es bringt alles hervor was in einem ist. Und wenn es die negativen Emotionen, sowie Traumas sind, dann muss nicht nur der Leiter, sondern auch der Teilnehmer damit umzugehen wissen.
Schwierig wirkt sich die Einnahme aus bei Menschen in deren Leben Alkohol oder anderen Substanzen wie Marihuana eine wichtige Rolle spielen.
Ich habe mich viel im Amazonas bewegt und habe unzählige Menschen getroffen, die durch die Medizineinnahme in eine Psychose schlitterten.
Auch hier in Europa bitten mich jeden Monat!!! Menschen um Hilfe und Unterstützung, die nach einer Einnahme des Getränkes in einer Zeremonie, mit dem Leben danach nicht mehr zurechtkamen.
Es gibt auch andere wesentliche Indikationen, in denen kein Ayahuasca eingenommen werden darf, wie jegliche Medikamenteneinnahme, vor allem Psychopharmaka, Schlaftabletten. Äußerste Vorsicht ist auch bei Bluthochdruck, Asthma und Herzproblemen gegeben, sowie bei schweren körperlichen Erkrankungen, da die Medizineinnahme Kraft und Energie benötigt. Auch die gleichzeitige Einnahme mit Antibiotika und Chemotherapie kann zu tödlichen Folgen führen.
Busy – Busy – Business: Ayahuasca-Tourisms im Amazonas
Im Tiefland des Amazonasbeckens, welches sich von Peru über Brasilien bis hin nach Kolumbien erstreckt, hat sich in den letzten 30 Jahren der Ayahuasca-Tourismus als ein völlig neuer Wirtschaftszweig entwickelt.
Populär wurden die „Pflanzen der Schamanen“ Anfang der 70er Jahre über die Bücher von Carlos Castaneda. Er ist einer der ersten erfolgreichen Autoren, die über eine „Lehrzeit“ mit einem indianischen Schamanen berichtete. Der erste Band, ein Bestseller in weltweiter Millionenauflage, erzählt unter anderem von Castanedas Erfahrungen mit Zauberpflanzen. Dies löste eine erste Reisewelle zu den mexikanischen Indianern vom Stamme der Huichol aus, die jedoch lieber in ihrem nativen Namen, den Wixaritari, genannt werden.
Überfordert von all den peyotehungrigen Weißen, die da plötzlich die Dörfer belagerten, begannen sich die Schamanen als solche nicht mehr zu zeigen und die Bevölkerung verhielt sich sehr abweisend gegenüber all den Suchenden.
Da verlagerte sich das Geschehen in den Amazonas. Die Indianer dort verhielten sich den Menschen in Bezug auf Ayahuasca kooperativer, und erkannten sehr schnell das Geldpotential welches in Ayahuasca liegt.
Nun leben tausende und abertausende von Ayahuasca trinkenden Touristen. Infrastrukturen wachsen wie Pilze aus dem Boden und setzt man heute in Iquitos den Fuß aus dem Flughafengebäude, sind die ersten Angebote, die einen ereilen. „Ayahuasca? Camp? Fuerte medicina, buena medicina.“
Da wundert es auch keinen mehr, dass an die 90% der Camp- und Schamanenangebote in Wirklichkeit Fakes sind. Gutes Mitverdienen an der Suche nach Rausch und Ekstase der anderen Art.
Jedoch auch die traditionellen, die guten Schamanen denken: „Okay. Dann sollen sie halt trinken, wenn sie wollen. Selbst schuld dann, wenn sie damit nicht umgehen können und verrückt werden dabei.“
Sie sehen dies als Lehre der „Spirits“. Ganz nach dem Motto: „Die Geister die ich rief.“
Der Lebensraum der indianischen Bevölkerung im Amazonas wird seit Jahrzehnten sukzessive zerstört. Die Grundversorgung ist nicht mehr sichergestellt. Flüsse mit Quecksilber und Öl verseucht, Wälder für Ölpalmen-Plantagen gerodet, Tierarten sind ausgestorben, Fische verschwinden.
Monat für Monat kommen immer mehr Stämme aus dem Urwald, um sich der Zivilisation zuzuwenden. Doch in dieser Welt braucht es Geld.
Ayahuasca lässt sich gut an die Touristen verkaufen.
Es ist ein großes Drama, das hier geschieht und nur einigen wenigen Maestras und Maestros gelingt es ihren alten Weg zu halten und nicht dem Mainstream des Ayahuasca-Tourismus zu erliegen.
In den meisten Ayahuasca-Camps, welche übrigens größtenteils von Weißen finanziert und geleitet werden, die Schamanen jedoch ihren Namen dafür geben, wird auch schon lange auf gutes Setting und Vorbereitungen verzichtet, so wie es früher der Brauch war.
Denn dafür haben ja die Touristen kaum Zeit.
Die nativen Schamanen haben oft keine andere Wahl, als am ganzen Spuk mitzuwirken, weil es die einzige Möglichkeit ist Geld zu verdienen für die ganze Familie und Verwandtschaft.
Glücklich sind sie dabei meist nicht. Die Kontrolle über die Medizin entgleitet ihnen. Hungernde und kranke Familienmitglieder in großer Armut erhöhen jedoch den Druck. Jeder indianische Amazonasschamane ernährt mit dem Geld nicht nur seine Familie, sondern gleich die ganze Verwandtschaft und Freunde mit.
Dieses Jahr wurde eine meiner langjährigen Lehrerinnen, Olivia Lomaz Arevalo, 91, von einem kanadischen Touristen erschossen. Er war psychisch labil und Olivia weigerte sich mit ihm eine Zeremonie durchzuführen, um die er bat.
Bei meinem letzten Aufenthalt im Februar erzählte mir Shipiba-Maestra, dass die Übergriffe von Touristen auf Schamaninnen immer mehr zunehmen. Da es immer öfters zu unkontrollierbaren Situationen kommt, fordern und wünschen sich die Schamaninnen schon Begleitschutz während einer Zeremonie in einem Touristenzentrum.
Gerade in den letzten Jahren ist ein großer Andrang auf die Schamaninnen, nachdem es immer mehr zu Schwierigkeiten mit männlichen Schamanen im Amazonas kam. Den männlichen Schamanen entgleitet die Kontrolle über sich selbst und die Medizin immer mehr.
Aufgrund der Problematiken, die sich immer mehr verdichten, sind nun auch schon viele Schamanen und Schamaninnen dazu übergegangen im Ayahuasca weniger psychoaktives Chacruna beizumengen. Zudem dürfen nurmehr einfache schamanische Pflanzen diätiert werden. Pflanzen, die keine anspruchsvollen Rahmenbedingungen brauchen, welche kaum ein Weißer einhalten und durchhalten kann.
Viele Diskussionen sind unter den Amazonasschamanen und ihrem Volk über den Gebrauch und das Angebot von Zeremonien gestartet – seit ich diesen Artikel 2016 das erste Mal online stellte. Damals wurden meine Worte sehr entrüstet zurückgewiesen – hier in Europa genauso wie in Peru.
Tragische Ereignisse, Überforderungen und auch die Tatsache der Ausrottung der Lianenpflanze „Banisteriopsis caapi“ bringen nun ein Umdenken in diese Episode der spirituellen Heil-Suche.
Busy – Busy - Business: Ayahuasca Verkauf in der westlichen Welt
Ayahuasca ist ein riesengroßer Business-Zweig in der spirituellen Szene in Nordamerika und Europa geworden. Heilzeremonien mit Ayahuasca, San Pedro oder Peyote und auch Kambó boomen wie noch nie zuvor.
Denn auch im esoterisch-spirituellem Markt funktionieren seit eh und je schnelles Fast-Food-Service, garniert von riesengroßen Versprechungen und teilweise falschen Garantien.
Gesetzliche Lage in Österreich
Die große Anzahl von Ayahuasca-Zeremonien in Österreich dürfte auch aufgrund einer Fehlinformation im Internet zustande kommen. Erstaunlicherweise schreibt jemand im Internet auf seiner Homepage schon seit Jahren, dass in Österreich Ayahuasca erlaubt ist (und beruft sich auf eine Quelle von 1995!!!!!) und Hunderte schreiben es nach, ohne zu recherchieren. Dabei muss nur ein Blick auf die Seite des BKA geworfen werden und schon schnell liest man folgendes schwarz auf weiß.
Im Suchtmittelgesetz von November 2015 ist die Weitergabe oder Vermittlung eines Produktes mit psychotropen Stoffen egal ob natürlicher oder synthetischen Ursprunges (DMT und HARMALIN gehören da auch dazu) mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen, wer damit verdient bis zu 3 Jahren. Dasselbe gilt für alle anderen psychoaktiven Substanzen, wie z.B. auch die Pilze.
Darüber sollten sich Anbieter wie Teilnehmer bewusst sein.
Von Visionen, Wünschen, Bedürfnisse und Sehnsüchten
Eines der ersten Dinge, die ich auf meinem Weg lernte, ist das Visionen nicht gleich Visionen, nicht gleich Visionen sind. Wallace Black Elk pflegte zu sagen, dass 90 % von dem, was wir Vision und Botschaften der Geister nennen, keine Visionen sind, sondern die Wünsche und Stimme unseres Egos.
Mit Visionen aber, auch den inneren Bildern und Stimmen, muss man umgehen können, sie auch richtig zu deuten wissen.
Die Menschen hier neigen unvorbereitet oftmals dazu ihr EGO zu stärken und eine unglaubliche ICH-Bezogenheit zu entwickeln.
Der Kontakt mit den Geisterwelten (real oder imaginiert) verleiht manchem sehr schnell die Illusion etwas ganz Besonderes und Auserwähltes zu sein.
Die Schau in andere Welten und Erkenntnisse vermitteln allzu gerne die Illusion der Erleuchtung.
Da wird von einem Tag auf den anderen die Familie verlassen, weil man sich märtyrerhaft, heldenhaft in der Mission der „Spirits“ sieht. Die Arbeit wird gekündigt, weil man sich selbst bereits als Schamane sieht, als jemanden der mir Pflanzen reden kann und was auch immer einem die inneren Stimmen einflüstern.
Eine Mission, eine Aufgabe andere Menschen zu begleiten, will ich auch niemandem absprechen. Aber es ist ein langer Weg bis dahin.
Und wie mich immer mein Lehrer Juan Perez unterwies:
„Bevor du als Schamanin deinen Weg gehen kannst musst du lernen was es bedeutet in der Verantwortung zu sein. Als Mutter und Partnerin. Du musst fähig sein, einen ganz normalen Job auszuüben und damit zufrieden und glücklich zu sein. Du musst dich materiell selbst erhalten können, ohne die Zuwendung von anderen.“ Und die Liste ging endlos weiter ...
Ayahuasca schenkt eine Fülle an Bildern, Eindrücken, Visionen. Man wird überflutet damit. Die Medizin bringt alles hervor was in einem ist. Bevor es die Stärken sind, sind es Ängste und Traumas über deren Schwelle man wandern muss. Der Körper reinigt sich. Man nennt den Spirit des Ayahuascas auch Trickster. Denn wir erinnern uns, es ist in erster Linie eine schamanische Kraft, keine therapeutische (wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließt). Und diese lieben es durchaus mit unserem Ego zu spielen, insofern wir da nicht rein und klar sind.
Manchmal öffnet die „Madre“ ihre Türen und nimmt einen mit in ihre Welten, um zu unterrichten, zu heilen oder was auch immer geschehen soll. Dann können sich Grenzen komplett auflösen. Auch auf der materiellen Ebene. Der Körper fließt auseinander. Das EGO, die eigene Persönlichkeit, löst sich auf. Wo man nicht mehr weiß, ob man Frau oder Mann ist, welchen Namen man trägt, ob es eine Familie gibt. Ob man auf der Erde lebt.
Das kann für manche unglaublich beängstigend sein und heftigste Panikattacken hervorrufen.
Auch das wissen die nativen Schamanen und darum brauchte es in der Vergangenheit immer eine lange Vorbereitungszeit, um die Kraft zu haben, höhere Welten betreten zu können.
Ayahuasca – meine Empfehlung
Schamanischen Kräften zu begegnen, erfordert viel Vorbereitung.
Die Wichtigste ist Verantwortung im eigenen Leben übernehmen zu können.
Bin ich ein guter Partner, Elternteil, Freund etc.?
Kann ich die Aufgabe, die mir das Leben und das Universum jetzt schenkt, gut annehmen und bin ich glücklich in meinem Leben?
Um Ayahuasca kennenzulernen, macht einen großen Bogen um die Retreats hier in Europa, besonders dann, wenn ein tönendes Marketing dahintersteckt.
Arbeitet primär an eurer inneren spirituellen und persönlichen Reife und Stabilität.
Fahrt in den Dschungel, meidet alle Camps, lebt mit den Einheimischen, werdet ein Teil der Gemeinschaft, arbeitet wie sie, esst wie sie, beobachtet die Natur, lasst Euch auf den Dschungel ein, nehmt euch mindestens ein bis drei Jahre Zeit, bittet die „Spirits“ um Unterstützung, seid bereit euch ohne Wenn und Aber einer mindestens einjährigen schamanischen Diät (ohne Ayahuasca-Einnahme), hinzugeben und ihr habt die beste Voraussetzung gut geführt und geleitet zu werden.
Insofern auch die „Spirits“ diesen Weg für dich als geeignet empfinden.
Demut, Achtsamkeit, sind das „Um und Auf“ auf dem schamanischen Wege. Nicht alles, was uns begegnet oder angeboten wird, ist von den „Spirits“ geführt. Da kann man sich auch schnell ganz schön was vormachen. Gerade auf dem spirituellen Weg gibt es viele Verführungen und Attraktionen, die Umwege und Dramen bedeuten, doch letztendlich natürlich immer unserem Wachstum dienen
Mystifizierungen deuten jedoch meist auf eine Falle hin, wo es wert ist, gut hinzusehen.
Schamane ist nicht gleich Schamane, ist nicht gleich Schamane. Wenn man versucht die „Spirits“ der Medizin für sich zu benutzen, auszutricksen, das Ego zu nähren oder was auch immer, so gewährt die „Mutter“ einem einen gewissen Zeitraum dieses menschliche Spiel, manchmal Jahre. Doch der Fall dann kann ein ganz Tiefer sein. Und geschieht dann doch letztendlich aus der Liebe, damit unsere Seele unsere Persönlichkeit wachsen darf, sich entwickeln, aufwachen darf.
Mir war es ein großes Bedürfnis Euch meine Sicht mitzuteilen.
Wenn dich meine Worte erreichen und Resonanz finden, fein. Wenn nicht, auch okay. Ich freue ich mich, wenn es zumindest Denkanstöße freisetzt und höchstenfalls einen anderen Umgang und Respekt mit Ayahuasca und anderen Medizinpflanzen bei dem einen und anderen einleitet.
Danke für euer Zeit und Aufmerksamkeit die ihr diesen Zeilen geschenkt habt.
In Verbundenheit
Sonia Emilia RAINBOW
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